Video / Artikel: Podiumsdiskussion – “Armut im Alter – Persönliches Schicksal oder gesellschaftliches Versagen?” bei der Aktionswoche gegen Altersarmut

Am Dienstag Abend, den 16.10.2012, luden der Obdach e.V., der Vbi und der Deutsche Berufsverband für Soziale Arbeit zu einer Podiumsdiskussion mit dem Thema “Armut im Alter: Persönliches Schicksal oder gesellschaftliches Versagen?” in das Gemeindehaus der Christuskirche in der Heidelberger Weststadt.

Als Podiumsgäste waren neben den Gastgebern, Alex Füller vom Obdach e.V. und Jörg Schmidt-Rohr vom VbI Heidelberg, die Diskutanten Michael Bolk vom Gerontologischen Instuitut der Universität Heidelberg, Autor Albrecht Müller und Wolfgang Reinhard, Amtsleiter für Soziales und Senioren der Stadt Heidelberg, anwesend.

Nach der Begrüssung durch Alex Füller vom Obdach e.V. und Anmoderation durch Jörg Schmidt-Rohr gaben die drei Diskutanten jeweils ein einführendes Statement ab.

Albrecht Müller thematisierte die fehlgeschlagene Nachhaltigkeit des Rentensystems, und die politische Entwicklung unter Bundeskanzler Schröder und der derzeitigen Regierung. Besonders die Ausweitung des Billiglohnsektors mache es für viele Menschen schwierig, aufgrund geringer Löhne eine selbständige Altersvorsorge zu betreiben. Besonders gelte dies für über 8 Mio Unterbeschäftigte und Angestellte im Leiharbeitersektor.

Müller forderte in seiner ausführlichen Eingangsrede, eine Konzentration vorhandener Mittel auf eine gesetzliche Rentenversorgung im sinne einer solidarischen Sicherung, den Abbau des Billiglohnsektors, eine aktive BEschäftigungspolitik und eine Wertschöpfungsabgabe als Mittel zur Bekämpfung von Altersarmut und Niedrigrenten.
Ein wichtiger Schritt hierbei, sei die Befreiung aus den Fängen der Finanzwirtschaft.

Michael Bolk vom Gerontologischen Institut sprach über die Gründung einer Dienstleistungsgesellschaft am Gerontologischen Institut, die helfen soll die Kompetenzen und Qualifikationen älterer Menschen zu erhalten und die so für ein längeres gesellschaftliches Engagement dieser Menschen sorgen könne.

Er merkte an, dass sich das Erwerbspotenzial im Alter reduziere und sich der Anteil an Menschen ausserhalb des Erwerbes im Alter erhöhe. Laut Prognosen werden bis 2040 2 Personen ausserhalb einer Erwerbstätigkeit auf eine Person in Erwerbstätigkeit kommen. Dies sei eine große Herausforderung für die Zukunft darstelle.

Wolfgang Reinhard sprach über den Umgang der Stadt Heidelberg mit dem Thema Altersarmut.

In Heidelberg bestünde zwar eine unterdurchschnittliche Gefährdung von Altersarmut, dennoch sei auch hier eine steigende Anzahl alter Leute auf unterstützende Leistungen zum Lebensunterhalt angewiesen.

Reinhard wies darauf hin, dass die Stadt bei ihren Hilfsangeboten leider keinen Einfluss auf Rentensystem und Regelsätze laut Sozialgesetzbuch habe. Er ergänzte, dass besonders Pflegebedürftige einem hohen Armutsrisiko ausgesetzt seien, da die Pflegekosten enorm gestiegen sind. Die Pflege eines Menschen in Pflegestufe III koste im Monat um die 3000 Euro, wovon Pflegeversicherungen nur etwa 50% übernehmen würden. Die Stadt Heidelberg versuche jedoch durch verschiedene Angebote und die flächendeckende Einrichtung von Seniorenzentren auch älteren Menschen die Teilnahme am sozialen Leben zu ermöglichen.

Im Anschluss an die Eingangsstatements fand eine rege Diskussion mit dem Publikum im Gemeindesaaal statt.

Zur Sprache kamen u.a. das Verhältnis von alten und jungen Menschen und die zu knapp bemessenen Unterstützungssätze und pauschalen von Hartz IV im Bezug auf Bildung, Kultur und Nahverkehr. Vom Publikum wurde eine Anpassung der Steuern auf höhere Einkommen, die Einführung einer Luxussteuer, sowie die wiedereinführung der Erbschaftssteuer zur Rentenfinanzierung angeregt.

Von einigen anwesenden besonders kritisiert wurde die mangelnde bzw. einseitige Information über wichtige Themen in den Mainstream-Medien sowie der wachsenden Einfluss der Finanzwirtschaft und des Kapitalismus auf politische Entscheidungen. Es wurde die Frage aufgeworfen, ob Egoismus eine Ursache für die zunehmende Diskriminierung und mangelnde Hilfestellung innerhalb der Gesellschaft ist. Auch die Privatisierung sozialer Leistungen wurde als Mitverursacher der Altersarmut erwähnt.

Zum Abschluss des Abends gaben die Diskutanten nochmals ein abschliessendes Resümee.

Jörg Schmidt-Rohr beendete die Podiumsdiskussion mit einem Dankeschön an Zuschauer und Podiumsgäste.

Alle Berichte, Interviews und Videoclips zur Aktionswoche finden Sie über http://www.rbe-media.com/tag/aktionswoche-gegen-altersarmut-2012.

Weitere Informationen zur Aktionswoche gibt es auf der Website deswww.das-heidelberger-buendnis.de

 

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